Die Ausschreibung ist so gut wie vorbei. So zwischen 80 und 100 Bewerbungen sind eingegangen. (Mea culpa, ich hab einen Großteil davon schon gelöscht bevor ich angefangen habe zu zählen). Vielen Dank für eure Mitarbeit.
Ich habe ordentlich gelitten, aber hatte auch einen positiven Austausch. Sollte ich also irgendwann über eine Illustration stolpern, die mir unglaublich gut gefällt (und zu der ich mir die Rechte sichern kann), wird es definitiv wieder eine Ausschreibung dieser Art geben.

Damit wir alle etwas daraus lernen, habe ich hier noch eine kurze Zusammenfassung von Dingen, die mir aufgefallen ist. Sollte sich jemand darin wiederfinden, dann tut es mir leid. Mir geht es wirklich nicht darum zu sagen „schaut euch diese Deppen an, hahaha“, sondern um Strömungen und Fehler zu analysieren und zu schauen, wie wir (bzw. ich) diese vermeiden können. Positiv ist, dass es wirklich nur eine Pandemie-Anti-Impf-Einsendung gegeben hat.
Lasst euch impfen Leute, wenn ihr nicht schon geboostert seid.

Das für alle spannende zuerst: Wir haben eine deutliche Gewinnerin.
Ein Manuskript hat mich wirklich überzeugt. Ich warte aktuell noch auf ein paar Exposees und Manuskripte, bzw. habe ein paar in der Mailbox, die ich in nächster Zeit mit anderen LN-lesenden besprechen werde. Um zu schauen, ob eine LN-Adaption infrage kommen könnte.

Fehler 1: Das Genre offen lassen.
Der größte Patzer der Ausschreibung geht auf meine Kappe.
Mein Gedankengang war folgender: „Oh, das ist eindeutig ein YA/NA Cover. Vielleicht Urban Fantasy, vielleicht Steampunk oder was mit Assassinen. Oder Mistery. Ich lass mich überraschen“.
Was ich vollkommen unterschätzt habe ist, dass nicht alle Schreibende dieselbe Meinung zu dem Cover haben.
Ich habe Thriller, Krimis, Kinderbücher (natürlich habe ich die Zielgruppe nicht gut genug angegeben. fml), Biografien, Erfahrungsberichte und so viel mehr eingesendet bekommen.
Bei einem historischen Krimi hat es mir auch sehr leid getan, dass ich absagen musste. Das Exposee klang wirklich gut, aber ich habe weder Ahnung von Krimis, noch von historischen Romanen. Das Buch hätte unter mir als Verlegerin und mit dem Cover keine gute Zukunft- sag ich ehrlich.
Bei der nächsten Ausschreibung muss ich die Vorgaben besser setzen und auch die Dinge erwähnen, die mir eigentlich klar sind, aber schreibenden vielleicht nicht. Mein Hintergedanke ist, dass ich gerne einen kreativen Freiraum lasse weil ich denke, dass sich schreibende so besser entfalten können. Ist eine schöne Idee, klappt aber irgendwie nicht so wie ich es mir vorstelle.

Fehler 2: Blacklist- Themen nicht extra angegeben.
Der zweitgrößte Fehler ist ebenfalls meine Schuld. Ich habe nicht extra eine Liste mit Themen angegeben, die ich nicht verlege. Und darüber ärgere ich mich ziemlich.
Ich hab gut ein Dutzend Geschichten über Sklaverei und Zwangsprostitution bekommen. Dabei will ich den Schreibenden keine Vorwürfe machen. Meine Schuld. Sowas verlege ich nur nicht.

Fehler 3: Gleichberechtigung & kein Happy End für LGBT-Figuren.
Bei diesem Punkt tue ich mir schwer. Ich möchte am liebsten alles in einen Ausschreibungstext packen aber gleichzeitig nicht zu viel schreiben, um den Text übersichtlich zu halten.
Als Feministin mag ich Gleichberechtigung. Mir ist es lieber, wenn ich Bücher lese, in denen schon alle gleichberechtigt sind, als über den Kampf, der zur Gleichberechtigung führt. Besonders nicht, wenn eine Person als einzige gleichberechtigt ist und alle anderen weiterhin unterdrückt werden. Oder wenn der Plot sich zu sehr auf die Unterdrückung konzentriert und die restliche Handlung in den Hintergrund rückt.
Ähnliches Problem hatte ich mit LGBT-Charakteren.
Ich habe mich sehr über Einsendungen zu dem Thema gefreut. Allerdings waren die meisten tragischer Natur, ohne Happy End. Was in sich einfach ein Klischee ist von dem ich nicht wusste, dass ich das ganz klar erwähnen muss, dass wir das nicht so toll finden.

Fehler 4: Das Übliche
Auch wenn es nicht die Mehrheit ist, gab es doch immer die altbekannten Probleme.
Kein Anschreiben, viele Fehler im Exposee, ein unvollständiges Exposee usw…
Ich habe mehrere Links beigefügt, die Tipps zu den Themen Pitch & Exposee enthalten und trotzdem war da sehr viel meh dabei. Ich weiß nicht was ich an der Stelle tun soll, damit Schreibende sich gerade hier mehr anstrengen.
Es ist kein Geheimnis, dass ich leicht zu begeistern bin und ein guter Pitch oft ausreicht um mich zu überzeugen. Spontan fallen mir fünf Schreibende ein, die mich mit einem Pitch oder einem Teil des Manuskripts vollkommen umgehauen haben und deswegen ein Teil des Teams sind (oder werden). Als schreibende Person sollte es das Ziel sein, dass ich als Verlegerin der größte Fan des Manuskripts bin. Ich kann mir aber kein gutes Bild von einer Geschichte machen, wenn zu viele Infos fehlen oder nicht mit mir geredet wird. (Stichwort Anschreiben)
Ich sehe ja darüber hinweg, wenn mein Name (oder der vom Verlag) falsch geschrieben ist.
Aber ich mag es nicht, wenn ich kommentarlos Dateien zugeschickt bekomme- zumindest ein „Hallo, ich bin die soundso, ich möchte mein Buch mit dem Thema: xyz vorstellen“, wäre schön.
Ich will euch ja alle kennenlernen und mich begeistern lassen. Auch wenn man es nicht merkt, bin ich nicht 24/7 salty af. Und ich hab gestern so um die 30 Manuskripte zugeschickt bekommen. Ich habe einfach nicht die Zeit, dass ich mich mit jedem davon stundenlang beschäftige und mehrfach nachfrage, wenn was nicht klar ist.

Insgesamt habe ich tolle Menschen kennengerlernt und bin froh, dass es diese Ausschreibung gegeben hat.
Danke für euer Vertrauen.
Morgen startet übrigens unsere nächste Ausschreibung- ihr könnt euch schon darauf freuen 😀