Monat: Juli 2020

Arukemia- Wie alles begann

Die ersten Charaktere
Ende 2009 erschien das Videospiel Dragon Age: Origins. Mein Ex-Freund (damals haben wir noch zusammengewohnt) hatte es sich gekauft und regelmäßig gespielt.
Früher interessierten mich nur JRPGs, von daher wollte ich es eigentlich nicht spielen.
Warum auch immer habe ich dann selbst damit angefangen.
Ich habe das Spiel dann als Kriegerin durchgespielt und mein zweiter Durchgang war dann als Magier.
Wann es genau passiert ist, kann ich nicht sagen. Jedoch fand ich die Magier etwas zu interessant.
Das ist die schöne Formulierung für: Ich bin voll reingekippt und hab eigentlich die ganze Zeit damit verbracht Fanarts zu zeichnen, Text-RPGs zu spielen und mit anderen Leuten über das Spiel und die Charaktere zu reden.
Diese Phase hat sicherlich 1-2 Jahre angehalten.
In der Zeit habe ich meinen OC Jory entworfen. Zu ihm werde ich euch noch irgendwann, wenn er endlich seinen großen Auftritt hat, mehr sagen.
Jedenfalls hat es mir damals nicht gereicht, ihn einfach so in das vorhandene Thedas einzubauen. Irgendwann hatte er Freunde, einen Love-Interest und auch einen eigenen Lehrmeister. Auch das war nicht genug: Eine eigene Welt musste her.
Zu der Zeit entstand auch das erste Design für Theodor.

Das erste Buch
Vor 8 oder 9 Jahren veröffentlichte ich dann meinen ersten Roman.
Im Nachhinein ist er mir ein bisschen peinlich und ich bin so erstaunt wie viele Leute mich damals unterstützt haben… und den auch noch gut fanden!
Highlights von dem ganzen waren: Beschissenes Worldbuilding, kein richtiges Lektorat, Kein Korrektorat, Kein Buchsatz,
ab Kapitel 6 habe ich vergessen die Kapitel zu beschriften, Klischees ohne Ende.
Dafür war das Cover ziemlich nett.
So wie ein erstes Buch eben sein sollte.
Zum Glück war ich schon damals nicht besonders konsequent. (Auch wegen meiner komplizierten Lebenssituation)
Ich plante also Bücher, begann damit sie zu schreiben und verwarf sie bzw. brach sie ab.
Im Nachhinein bin ich froh darüber, dass ich in der Zeit nichts veröffentlichte.
In der Zeit entstand das Design für Zenobia.

Reboot
2015 war es dann soweit, dass erneut ein Roman von mir erschien- aber diesmal bei einem Verlag. Ich bildete mir ein als nächstes unbedingt ein Buch mit einer Transfrau als Protagonistin schreiben zu müssen. (Ganz, ganz schlechte Idee.)
Dieses Buchprojekt nahm ich zum Anlass, um meine Welt neu zu ordnen und zu Planen.
Die Atelier-Videospielreihe war hierzu meine Hauptinspiration.
Auch wenn ich sehr viele, schlechte Ideen hatte, ist auch erstaunlich viel positives übrig geblieben: Der Name Riesenthal für das Land in dem die Geschichte spielt, mein Magie-System, sowie der komplette Plot des Buches, den ich irgendwann in einer relativ ähnlichen Form übernehmen werde.

Theodor aus Riesenthal
Innerhalb der letzten 4 Jahre habe ich für mich den richtigen Punkt gefunden, um mit meiner Geschichte anzufangen: Theodors Kindheit.
Ich habe an dieser Idee gezweifelt, aber schlussendlich daran festgehalten. (Made in Abyss und Somali and the Forest Spirit haben mich darin bestärkt, dass Serien mit jungen Protagonisten auch sehr interessant für Erwachsene sein können)
Meine Dämonen wurden zu Mondfeen und haben sich optisch, sowie auch charakterlich verändert. Die Verbindung zwischen ihnen und Alkemisten (ehemals Magiern) war nun eine Art Pakt. Die Fate/-Reihe war für mich hierzu eine sehr große Inspiration. Das Verhältnis zwischen Master und Servant wird mir dort meist viel zu oberflächlich behandelt, bietet aber sehr viele Möglichkeiten, um die Dynamik zwischen den Charakteren spannend darzustellen. Dabei war es mir natürlich wichtig, dass ich ein vorhandenes Konzept nicht kopiere, sondern nur ein paar Elemente davon übernehme.

Noch einmal kalte Füße bekommen
Eigentlich hätte Theodor aus Riesenthal schon erscheinen sollen. Aber dann hat Covid die Situation ordentlich durcheinandergewirbelt.
Dies habe ich mir zum Anlass genommen, um das fast fertige Buch noch einmal komplett umzuschreiben. Daran sitze ich gerade.
Die größte Änderung ist, dass Theodor sehr viel mehr Eigeninitiative als zuvor zeigt. Er ist richtiggehend zur treibenden Kraft hinter der Geschichte geworden. Eine Rolle, die ihm sehr gut passt.
Ich mag meine Änderungen jedenfalls sehr und bin mit dieser Version echt zufrieden.
Diesmal mache ich jedenfalls ernst und versuche, dass ich das Buch zum Jahreswechsel herausbringen kann.  

Ich und meine Projekte

Da es jetzt länger kein neues Buch von mir gegeben hat, möchte ich einmal alle meine laufenden Projekte zusammenfassen und ein bisschen etwas dazu sagen:

Ginga+
Mein eigentlicher Plan war, dass ich zwei Bücher pro Jahr herausbringe.
Ich habe gemerkt, dass dies nicht funktioniert. Blöd.
Ich habe noch Ideen für gut 10 weitere Kurzgeschichten, Novellen und auch längere Projekte- also keine Sorge, die Reihe wird weitergehen. In welchen Tempo wird sich zeigen.
Da bis jetzt alles in sich abgeschlossen ist, sehe ich es nicht so tragisch.
Es wird frühestens 2021 weitergehen. Dafür gibt es zwei Gründe.
1: Durch den Wegfall der Messen sind die Verkaufszahlen eingebrochen.
Gerade Riamu und die CD von Momo sind direkt vor der aktuellen Situation erschienen und haben auch dadurch wenig Abnehmer gefunden. Ich möchte zuerst mehr Bücher verkaufen, ehe ich mich an einen nächsten Band herantraue.  
2: Novellen sind grauenhaft zu vermarkten. Warum auch immer ist diese Textgattung in manchen Kreisen völlig unbekannt. Bei Rezensionen oder in Gesprächen höre ich meistens „Kurzgeschichte“ oder „Kurzroman“, was beides nicht stimmt. Zusätzlich haben Leser*innen oft an eine Novelle dieselben Erwartungen wie an einen Roman.  Natürlich würde ich gerne Werbung schalten, Rezensionsexemplare verschicken und mehr mit dieser Reihe machen. Ich habe nur aktuell keine Ahnung wie. Ich liebe alle meine Leser, aber auf Dauer muss ich einfach mehr Menschen erreichen.

Turul
Ich bereue es so sehr, dass ich Mykorrhiza nicht einfach als Kurzgeschichte ohne Hinweise auf eine Reihe herausgebracht habe.
Ich habe jetzt zweimal versucht Autor*innen hierfür zu begeistern, aber ich habe schlichtweg niemanden gefunden, der nicht nur Ideen für dieses Universum hat, sondern auch wirklich etwas dafür schreiben will.
Ideen für dieses Universum sind vorhanden und ich schwanke regelmäßig zwischen „ich muss daran weiterschreiben“ und „das Projekt ist grauenhaft, ich will es nie wiedersehen“
Ich habe mir selbst für die Reihe ein Ziel gesetzt:
2020 werde ich noch daran schreiben. Alles was Ende des Jahres fertig ist, wird auch verlegt.  Danach gilt das Projekt als abgeschlossen. Es ist also auch für mich eine Überraschung was da noch passieren wird. Da Mykorrhiza in sich abgeschlossen ist, sehe ich es auch nicht als Problem an, wenn es keine weiteren Bände gibt.

Arukemia KG:
Die Kurzgeschichte leidet wegen zwei Dingen.
1- Dem Wegfall der Cons.
2- Meinem Ehrgeiz etwas draußen zu haben, weswegen ich das Korrektorat schleifen lassen habe.
Es hat mir Spaß gemacht sie zu schreiben, aber ich bekomme nur relativ schlechtes Feedback dafür.
Die Geschichte selbst ist abgeschlossen und es ist eine Kurzgeschichte. Von daher hat der Leser auch keinen Nachteil, wenn es keine neuen geben wird.
Das Projekt gilt also für mich als abgebrochen. Eventuell werde ich es irgendwann überarbeiten und neu aufgreifen. Ich schreibe noch immer gerne erotische Fantasy, aber anscheinend muss ich noch sehr viel mehr üben. Die vorhandenen Exemplare werde ich jedenfalls noch unter die Leute bringen, aber nicht nachdrucken.

Arukemia (Theodor aus Riesenthal)
Ich bin ehrlich. Ich habe das Buch noch nicht herausgebracht, weil ich zurück an den Startpunkt gegangen bin und wieder am Worldbuilding/Aufbau des Buches arbeite.
Theodors Geschichte ist mein erstes Buch, bei dem ich sage „Es ist sehr gut und ist massentauglich“.
(Normalerweise denke ich mir „Es ist sehr gut, aber wird nur eine kleine Zielgruppe erreichen“.)
Deswegen muss es für mich perfekt sein. Und deswegen dauert es aktuell länger.
Dafür wird es auch ein Roman und keine Novelle.
Aber keine Sorge: Ich habe die größten Probleme schon gelöst und bin wieder fleißig am Schreiben.
Wie es aussieht werde ich Band 1 auch nach Feenis Oberon 1 herausbringen können.


(Nec)Romantic
Ich habe das Projekt 1-2 mal schon erwähnt und liste es jetzt eigentlich nur zur Vollständigkeit auf.
Ich möchte spätestens ab 2021 daran schreiben.
Es wird ein abgeschlossener One-Shot Roman über einen Necromancer, der in die Tochter des Bürgermeisters verliebt ist.
Es wird Comedy und trotz des Titels nicht romantisch. Ich möchte mehrere Geschichten in dem Universum schreiben, weil ich die Charaktere mag- aber alle werden eigenständig für sich stehen. Keine Ahnung, wann es erscheint.

Fantasy-Restauranttester:
Erwähne ich auch zur Vollständigkeit. Das Projekt wollte ich eigentlich dieses Jahr schreiben, aber durch die aktuelle Situation hat sich alles verändert.
Irgendwann werde ich es schreiben und ich sammle auch noch immer Ideen dafür.
Da es ein in sich abgeschlossenes Projekt wird, hat es aktuell keine hohe Priorität bei mir.

Stein

Dies sind die letzten Worte einer verzweifelten Seele, die ich nun in der Hoffnung niederschreibe, dass sie jemand findet und ihm mein grausiges Schicksal erspart bleibt, denn der unheilvolle Fluch, der nun auf mir lastet, treibt mich in den Wahnsinn.
Ich bin, oder besser gesagt war, Agstein aus dem Hause Bitterkalk. Einst ein stolzer, gottesfürchtiger und fleißiger Zwerg. Unser Haus bekam von der großen Göttin einst die Aufgabe, tief in das Innere der Erde auf den Straßen unseres Volkes zu marschieren und die Kostbarkeiten abzubauen, die uns Mutter Stein schenkte. Unsere wunderschönen und geschickten Zwergenfrauen waren in der Lage, aus den groben, verdreckten Klumpen Ketten, Ringe und andere Geschmeide herzustellen, während diejenigen, die mit einer goldenen Zunge gesegnet waren, die Hauptaufgabe besaßen, die hergestellten Schmuckstücke zu verkaufen. Da ich keine Frau und auch nicht sehr feinfühlig war, trug ich mit Stolz meine Streitaxt, um meine Brüder, die das Erz abbauten, vor Gefahren zu schützen, die unter der Erde auf uns lauerten. Es war auch eine dieser Reisen, die meine Begleiter ins Verderben lockte und mich in diese missliche Lage brachte.
Wie sehr wünschte ich, dass ich noch einmal diesen Morgen erleben konnte, als ich in den Armen meiner geliebten Frau Carneol aufgewacht war. Wie gerne würde ich ihr noch einmal über den Bart und das dichte, gelockte Brusthaar streichen. Doch ich werde sie niemals wiedersehen und das ist auch gut so. Ich würde ihr nur Leid und Verderben bringen. Sie soll lieber glauben, dass ich gefallen bin und nicht von meinem grausamen Schicksal erfahren. Als ich mich von ihr verabschiedete, flüsterte sie noch „Komm gut zurück, mein Liebster. Ich fühle mich nur komplett, wenn alle meine sieben Männer bei mir sind.“ Ich hoffe, dass meine sechs Vertreter mich gut ersetzen und sie über den Verlust hinwegtrösten können. Vielleicht hat sie, wenn jemand diese Nachricht findet, auch schon erneut geheiratet und weint nicht mehr wegen meines Verschwindens.
Unsere Reise stand von Anfang an unter keinem guten Stein, denn innerhalb der ersten Tage, die wir unterwegs waren, bebte die Erde stark. Wir, die einfachen Arbeiter, baten die Priesterinnen umzudrehen, denn wir fürchteten, Mutter Stein verärgert zu haben und sahen dieses Beben als eine Art der Warnung.
Jetzt, wo ich jedoch weiß, was uns auf unserer Reise widerfahren sollte, glaube ich eher, dass unsere geliebte Mutter auf diese Art und Weise vor dem Grauen, das in der Tiefe lauerte, warnen wollte.
Wir setzten trotz leichter Schwierigkeiten, die aus halb eingestürzten Stollen bestanden, unseren Weg wie geplant fort und unsere Priesterinnen ließen sich nicht von unseren Sorgen beirren. Sie glaubten fest daran, dass Mutter Stein uns dieses Mal mehr denn je belohnen würde. „Fürchtet euch nicht, Kieselsteine!“, redeten sie uns gut zu. „Mutter Stein hat uns bis jetzt immer mit ihren Gaben belohnt und wird sich weiterhin gut um uns kümmern. Wir sind nicht mehr weit weg und können bald mit dem Abbau beginnen.“
Wir verließen uns auf die Weisheit der Priesterinnen. Unsere Zweifel verstummen.
Am zwölften Tag unserer Reise erreichten wir eine große Höhle. Sie wurde durch schwaches Sonnenlicht, dass aus einer Felsspalte, die viele Meter über unseren Köpfen lag, erhellt. Es war ein seltener Anblick, denn ich sah nicht oft Tageslicht. Wir Zwerge lebten in ständigem Zwielicht dicht unter der Erde und unsere Lichtquellen waren Fackeln oder das Glühen von Lavaströmen, die das Blut des Berges darstellten. Als sich meine Augen an das ungewohnte Licht gewöhnt hatten, konnte ich auch die Kreatur erkennen, die eindeutig nicht aus dem Herzen der Erde kommen konnte. Sie war dazu von viel zu dürrer, lang gezogener Gestalt und viel zu glatt, ohne jegliche Ecken und Kanten, die wir hatten, da der Stein das Vorbild für alle Arten von Leben hier unten war. Diese Kreatur machte den Eindruck, als ob sie jederzeit zerfallen könnte, wenn man etwas fester zupackte, so schwach wirkte sie auf mich.
Ich blieb gespannt stehen, bis ich den Befehl einer Priesterin hörte, sich das Wesen gemeinsam mit meinem Bruder Baumstein etwas genauer anzusehen, denn es atmete und bewegte sich nicht. Da unsere Priesterinnen das Sprachrohr von Mutter Stein waren, gehorchten wir natürlich und blieben unbesorgt, denn wir erwarteten nicht, dass von der schwächlich wirkenden Gestalt eine Gefahr ausgehen würde. Wir näherten uns vorsichtig dem fremden Geschöpf und blieben gut einen Meter vor dem Felsen stehen, auf dem es lag. Jetzt, wo wir näher dran waren und es noch besser sehen konnten, fiel mir auf, dass die aus leichten Stoffen bestehende Kleidung zerrissen und blutverschmiert war. Unter den zerrissenen Stellen konnte ich sehr helle und weiche Haut erkennen, die zwar leicht im Sonnenlicht glitzerte, aber unversehrt war. Da es tot zu sein schien, nahm ich an, dass die Verletzungen noch unter seiner Kleidung verborgen sein mussten.
Ich warf Baumstein einen ratlosen Blick zu und überlegte, was wir mit diesem fast komplett haarlosen Ding anstellen sollten. Am liebsten hätte ich es einfach liegen gelassen und meine Reise wie geplant fortgesetzt, doch dieses Wesen machte mir einen Strich durch die Rechnung. Gerade, als ich mich umdrehen und der Priesterin etwas zurufen wollte, begann es zu zucken und gurgelnde Geräusche zu machen, ehe es sich schlagartig aufrichtete und uns aus roten, blutunterlaufenen Augen anstarrte. Und dann, im Bruchteil einer Sekunde, sprang es meinen Bruder an. Dieser war durch seine schwere Rüstung nicht in der Lage, sich zu verteidigen, denn als er seine Axt hob, hatte das Ding schon die Zähne in seinem Hals vergraben und begann, gierig zu saugen.
Trotz meines Schocks musste ich so schnell wie möglich handeln und schlug der Gestalt mit meiner Axt den Schädel ein. Durch die Wucht wurde es zu Boden geschleudert und ich hieb noch so lange darauf ein, bis ich mir sicher sein konnte, dass es nie wieder aufstehen würde. Ich war so von Raserei gepackt, dass ich nicht einmal mehr mitbekam, wie die Priesterinnen zu uns eilten und sich um die tiefe Halswunde kümmerten, die das Ding meinem armen Bruder zugefügt hatte.
Kurz darauf erreichten wir die Stelle, an der Mutter Stein ihre Gaben für uns freigelegt hatte und wir begannen mit dem Abbau, während Baumstein noch immer ohnmächtig war und wir ihn bis hierhergetragen hatten. Jetzt lag er in unserem Lager und wurde von den Priesterinnen gepflegt, während ich meine Brüder bewachte, die den Stein abbauten. Ich konnte ihn zwar nur am Ende meiner Schicht, wenn ich müde und hungrig ins Lager zurückkehrte sehen, war aber den ganzen Tag über mit meinen Gedanken bei ihm. Er hatte hohes Fieber und trotz der guten Pflege unserer schönen Priesterinnen verschlechterte sich sein Zustand von Tag zu Tag. Er konnte nicht einmal mehr Met bei sich behalten. Es war ein schrecklicher Anblick, seinen Todeskampf zu beobachten, doch ich wich ihm während seiner letzten Tage nicht mehr von der Seite. Die anderen verstanden dies und übernahmen meine Schichten, während ich bei ihm saß und Geschichten von Mutter Stein erzählte, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Ich half ihm auch dabei, seine letzten Vorbereitungen zu treffen und schrieb Briefe, die er an seine Liebsten richtete und betete mit ihm.
Es war eine sehr intensive Zeit, die nach einer Woche endete. Seine Seele machte sich in der Nacht auf den Weg zu Mutter Stein. Da meine Brüder und Schwestern von der Arbeit stark ermüdet waren, legten wir ihn in eine kleine Nebenhöhle mit dem Vorsatz, ihn am nächsten Morgen rituell zu bestatten.
Mich hatte die Situation stark mitgenommen. Durch die letzten Tage war unser Verhältnis noch enger geworden und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen jemals wieder einen Zwerg kennenzulernen, dem ich so vertrauen konnte wie ihm. Ich hatte noch lange an seinem Grab gesessen, zur großen Mutter gebetet und sie gefragt, warum sie ihn so früh zu sich nehmen musste, doch ich erhielt keine Antwort. Es war spät, als ich wieder zu Bett ging und bis auf die Wachen, die unser Lager schützten, war niemand mehr auf den Beinen.
Es war ein unerträglicher Schmerz an meinem Hals, der mich weckte. Bevor ich nachdenken konnte, was sich da auf mich gestürzt hatte, reagierte mein Körper durch das jahrelange Training fast wie von selbst. Ich griff nach meiner Streitaxt und stieß den Angreifer, der auf mir hockte, mit aller Kraft von mir weg. Dies gelang mir erst nach mehreren Versuchen, denn das Ding auf meiner Brust saugte mir nicht nur den Lebenssaft aus, sondern drückte auch die Lust aus meinen Lungen. Ich sprang dem Wesen hinterher, nachdem ich mich endlich befreit hatte, und musste mit Schrecken erkennen, dass es sich dabei um meinen toten Freund handelte. Er sah noch immer tot und kränklich aus und seine Eckzähne waren lang und spitz geworden. Genau wie bei dem Fremden. Ich musste kein Gelehrter sein, um zu erkennen, dass er genau wie der Fremde von einer Art Fluch besessen sein musste, der sich durch den Biss übertragen hatte.
„Warum machst du das? Ich bin es doch, dein Freund Agstein!“, rief ich ihm zu, bekam jedoch keine Antwort. Es war so, als ob alles Lebende und Gute aus ihm vertrieben worden war. Ich wusste also, was zu tun war. Ohne noch zu zögern, tötete ich die leere Hülle, denn das, was mich da angriff war nicht mehr mein Bruder Baumstein. Der Tod war eine Erlösung für ihn, denn so konnte er seinen ewigen Frieden finden.
Ich packte hastig meinen Rucksack und verließ, so schnell ich konnte, das Lager, immer weiter in die Tiefe des Felsens. So weit, dass sie mich niemals aufspüren würden. Ich war ebenfalls gebissen und somit verflucht worden. Die Krankheit würde mich genauso wie meinen Bruder langsam töten und danach in ein Monster verwandeln. Ich war eine viel zu große Gefahr für meine Gemeinde.
Trotz der Vorkommnisse würden sie mich nicht einfach so töten, sondern am Leben lassen und so lange versuchen, ein Gegenmittel zu finden, bis ich entweder geheilt war oder es keinen anderen Ausweg gab, weil ich einen von ihnen angriff. Dies wollte ich aber nicht riskieren, denn jeder tote Zwerg war einer zu viel.
Ich ging so tief in die Erde, wie noch nie zuvor. Mein Weg führte mich stetig bergab und es wurde langsam auch immer heißer. Ich schwitzte stark, wollte aber meine schwere Kleidung nicht ausziehen. Hier unten lauerten auch natürliche Gefahren auf mich, wie zum Beispiel große Spinnen und die großen, haarigen Talpas, die sich durch die Erde gruben und alles fraßen, was sich ihnen in den Weg stellte. Allerdings traf ich auf meiner letzten Reise auf kein lebendiges Wesen. Wahrscheinlich konnten sie sogar spüren, dass etwas mit mir nicht stimmte, und ließen mich daher in Ruhe.
Nicht nur die Temperatur, sondern auch mein Umfeld änderte sich stark. Ich ging nicht mehr auf den sauber gehauenen Wegen meiner Vorfahren, die diese Stollen angelegt hatten. Diese Wege waren grob in den Felsen gehauen und wirkten vergleichsweise primitiv. Im Stillen fragte ich mich, ob sie auch von Zwergen, anderen Wesen oder Mutter Stein selbst angelegt worden waren.
Als ich schließlich sehr geschwächt und nicht mehr in der Lage war, weiterzugehen, schlug ich mein Lager ein letztes Mal af und begann meine Geschichte aufzuschreiben. Ich werde diesen Text geschützt in einem Krug so sichtbar wie möglich platzieren und dann mit letzter Kraft tiefer in das Innere der Erde vordringen. Bitte sucht nicht nach mir und macht meinem Dasein ein Ende, wenn ihr mir doch noch begegnet, damit ich die ewige Ruhe in den Armen meiner Göttin Stein finden kann.

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